Die Beatgruppen der 60er Jahre legten Wert darauf auf der Platte so zu erscheinen, wie man sie live
von der Bühne her kannte, also mit wenig oder keinem Hall, so wie es die Beatles zum Maßstab
gesetzt hatten, und ohne technische Nachbearbeitung.
In Nachbetrachtungen mancher Bücher über Beatmusik kann man lesen, daß die damalige Technik
qualitativ hochwertige Aufnahmen nicht zuließ, oder daß die verwendeten Anlagen nicht ausreichten,
aber diese Behauptung stimmt keineswegs.

Schon in den 60er Jahren waren unsere 38er Bandmaschinen nahezu linear, so daß von daher
hörbare Klangeinbußen oder Klangverfälschungen nicht vorkamen. Und auch die Mikrophone von
damals werden heute noch in den Studios für bestimmte Instrumente eingesetzt.

Lediglich der Umstand, daß nur zwei Spuren zur Verfügung standen, man also zunächst ein Playback
herstellte, daß sofort fertig abgemischt werden mußte, um hinterher den Gesang draufzuspielen,
machte die Aufnahmen problematischer. Verwendet man heute nämlich zum Mischen einer Aufnahme
mehrere Tage, und kann man die Aufnahmespuren jederzeit einzeln in Lautstärke und Klang
bearbeiten, so mußten wir damals das gedachte Verhältnis der Instrumente in kurzer Zeit,
also weniger als einer Stunde herstellen, denn zur Gesangaufnahme mußten die Musiker
noch frisch genug sein.

Der wesentlichste Ansatzpunkt für die Qualität war aber der Kostenaufwand. Weil der Plattenabsatz
deutscher Bands nahezu bei Null lag, die Sender ja kaum einmal einstiegen, der Handel also nicht
orderte und die einzigen Verkäufer die Bands selbst waren, mußten die Kosten sehr niedrig gehalten
werden. Die 300 oder 500 Singles, die die Bands bei ihren Veranstaltungen verkauften,
deckten nur die Preßkosten. Die Aufnahmen selbst also mußten zum Nulltarif hergestellt werden.

Immerhin handelt es sich bei dieser Musik noch um handgemachte Arbeit, bei der vielfach
mühsam improvisiert werden mußte, und so gesehen ist die Beatmusik der 60er Jahre eben doch
ein Meilenstein der Musikgeschichte.


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