D
ie Beatles und wir


Beatles von 1957 bis heute

Wenn man über die Beatles liest, erfährt man eigentlich nur deren musikalische Karriere.
Was sie über Tag gemacht haben, wird kaum irgendwo beschrieben. Und jene, die darüber noch berichten könnten, leben nicht mehr.

Vermutlich bin ich der einzige Überlebende.

Es war in den 60er Jahren, und die Jungs spielten im Club auf St. Pauli in Hamburg.

Genau dort hatte ich, gemeinsam mit Harald Göttsche, die Schallplattenmarke Acondor, und die Musikverlage
und freien Produzenten boten uns Produktionen an, wenn die Majorfirmen die nicht veröffentlichten.
Es gab damals von Gesetzes wegen Begrenzungen. Zu diesen Produzenten gehörten auch Hansi (James) Last,
Dieter Heckscher (D.T.Heck), auch Ronny aus Bremen, aber auch die Verlage Warner-Intersong, Peer, Sikorski, Marbot u.a.

Zum Göttsche-Clan gehörte auch ein Speiselokal, und da traf sich die Branche, um miteinander zu klönen.
Ständige Gäste waren auch die Beatles.

Als Produzent der Ariola hatte ich ein gewisses Ansehen. Und irgendwie ergab es sich,
daß ich mich in der Werbung für die Beatles einklinkte durch Beatles-Briefmarken, Streichhölzer, Fotos und Handzettel.
Aus dieser Zeit stammt auch der Vertrag, wonach ich Titel der Beatles in deutscher Sprache nachproduzieren durfte,
und das war durchaus ungewöhnlich, weil die Band selbst nichts in deutscher Sprache veröffentlichen wollte.


Es war in den 60ern, in  jener Zeit, als ich Produzent der Ariola war. Mein 5-Jahres-Vertrag verpflichtete die Tonträgerfirma, jede meiner Aufnahmen zu veröffentlichen. Meine erste Ariola-Produktion, "Der alte Straßenmusikant" mit dem Waldner-Duo, hatte in kürzester Zeit in den aktuellen Sharts einen vorderen Platz errungen, deswegen hatte ich sofort die Produktion einer weiteren Single dieses Stils nachgelegt. Die Ariola preßte die Single auch an, doch dann entschied die Firma, dass die Aufnahme "Kein Gnadenbrot für einen armen Hund" zu schnulzig sei und sie bat mich, die Aufnahme entweder auf EP veröffentlichen zu dürfen oder zurückzunehmen. Eine EP war ebenfalls eine 17cm-Platte, allerdings befanden sich auf jeder Seite zwei Titel. Ich zog die Produktion also zurück, weil nur Singleplatten Aussicht auf Erfolg versprachen, denn der erste Umsatzstoß erfolgte über die Musikboxen-Aufsteller. EPs ließen sich in Boxen nicht abspielen. Dieser Titel errang später mit den Toten Hosen eine Goldnene Schallplatte.

Um die Aufnahme damals nicht im Sande verlaufen zu lassen, war ich gezwungen eine eigene Labelfirma zu gründen. Gemeinsam mit Harald Göttsche in Hamburg-St.Pauli betrieb ich damals den Orkana-Musikverlag, und weil das Zentrum für Musik in Hamburg war, gründete ich mit ihm eine Plattenfirma, die wir Acondor nannten, um in der Liste der Plattenfirmen ganz vorn zu rangieren. Inhaber waren meine Frau Karla, Harald Göttsche und ich. Einer der ersten Künstler, die wir auf unserem neuen Label veröffentlichten, war Dieter Heckscher, den wir Dieter Heck nannten, denn Hamburg und Heck, das lag nahe. Den zusätzlichen Vornamen "Thomas" bekam er als Moderator von Radio Luxemburg, weil es einen Dieter dort schon gab.

Unser Partner Harald Göttsche betrieb auf Sankt Pauli ein Speiselokal und einen Imbiß-Pavillon. Dort spielten in einem Strip-Laden die damals noch völlig unbekannten Beatles. Zwischendurch kamen die mal eben rüber in den Imbiß, und manchmal blieben sie da auch hängen und übernachten darin, denn da war es warm. Der Kontakt zu uns führte dazu, dass wir für die Beatles Werbung machten durch postkartengroße Beatlesbilder, die wir unserer täglichen Post beilegten, wir fertigten Klischees an für Beatles-Briefmarken, die wir auf unserer Post aufdruckten, und wir gaben auch Beatles-Streichhölzer heraus. Aus jener Zeit stammt auch der Vertrag, den wir mit den Beatles schlossen, und wonach wir die Berechtigung erhielten, Lieder der Beatles in deutscher Sprache nachzuproduzieren, denn die Beatles wollten nur in Englisch. 1997 hat BEAR-FAMILY-Records unsere mit den Bonnies und den Loving Hearts aufgenommenen Titel der Beatles auf CD neu veröffentlicht.







zurück      Inhaltsverzeichnis The Petards Scorpions Home